Lassen sich Kosten und Erträge beim Musikstreaming gerecht verteilen?

Ownership, Entscheidungsfindungen, Gewinne - alles befindet sich in den Händen der Menschen, die direkt von dem Unternehmen betroffen sind, auf das sie angewiesen sind. Das Besondere von Genossenschaften ist, dass sie, während sie demokratische Prozesse und eine gerechtere Verteilung des Reichtums organisieren, auch in kapitalistischen Gesellschaften unkompliziert handeln können. Deshalb wurde die Firma Resonate gegründet. Sie will Musikstreaming so anbieten, dass dies für Fans bezahlbar bleibt, aber gleichzeitig die Produzierenden der Musik angemessen entlohnt werden.

Peter Harris, Redaktion Genossenschaften

Genossenschaften sind definitiv nicht gewinnfrei. Vielmehr können sie Innovationen, Profitabilität und Expansion ebenso wie traditionelle Konzerne herbeiführen. Resonate ist als eine Genossenschaft aufgebaut, weil die Gründer/innen der Meinung sind, dass die Musik, die gehört wird, allen Beteiligten einen Nutzen bringt. Darum sollen die Musiker ebenso wie das Unternehmen als auch die Hörer Entscheidungen mittreffen können. Bei Resonate gilt: »one member, one share, one vote«. Dementsprechend werden Gewinne zwischen Musikern und Labels, Fans und Resonate aufgeteilt.

Transparenz herstellen

Resonate will folgende Aufgabe lösen: Wie lässt sich Musik-Streaming für Fans bezahlbar anbieten, der einzelne Künstler aber dennoch angemessen entlohnen? Mit dem Anbieten von Streaming ist das Problem verbunden, dass der Hörer eigentlich pro Stream bezahlen muss, um jeden Musiker angemessen zu bezahlen. Das Einrichten eine Art »Flatrate« erweist sich deshalb als schwierig. Damit der Hörer dennoch eine Kontrolle über seine Kosten bekommt, werden ihm Flatrate-Tarife angeboten. Verbunden sind damit Kundenbeziehungen mit unterschiedlichen Gewinnmargen. Teilweise gibt es Kunden, deren Nutzungsgrad unrentabel ist. Diese Unrentabilität geht zu Lasten der Musiker oder des Streaming-Anbieters. Gleichgültig, welche Variante gewählt wird, existiert dafür keine langfristig sinnvolle Lösung, außer es gibt eine größere Zahl an Hörern, deren Flatrate-Beitrag höher als der Nutzungsgrad liegt. Diese Kunden zahlen dann zu viel für die erhaltene Leistung.

Die Lösung liegt in einer transparenten Kostenkontrolle für alle drei Beteiligten, die zusätzlich auch noch angemessen sein sollte. Resonate bietet deshalb einen Pay-per-Stream Model an. Die Nutzer zahlen einen Betrag auf ihr Resonate-Konto ein. Von diesem zahlt der Kunde nur für die Songs, die er tatsächlich hört. Entsprechend wird ein Teil dieser Einzahlung über Resonate weitergeleitet an den Künstler. So gelingt es, eine erste Hürde der fairen Kompensation zu meistern.

Übergang zum Kauf

Das kann jedoch auch teuer für den Hörer werden. An dieser Stelle kommt das Stream-to-Own Modell ins Spiel. Der erste Stream ist sehr preisgünstig, um die Entdeckungsfreude für das Hören neuer Musik nicht auszubremsen. Wenn ein Song gefällt, dann wird er in der Konsequenz häufiger gehört. Bei jedem weiteren Stream desselben Songs erhöht sich der Betrag pro Stream. Wenn der Song dann X-mal gestreamt und insgesamt für den Song eine bestimmte Gesamtsumme bezahlt wurde, gehört er dem Kunden. Dieser kann ihn dann im weiteren Verlauf so oft er will, ohne zusätzliche Kosten hören. Dies wird in der folgenden Graphik veranschaulicht. Es ist eine Art Gewinn-Kalkulator, der vorrechnet, was Resonate und was andere Streaming-Anbieter dem Musiker zahlen.

Erfolgreich gestartet

Die ersten Künstler haben sich bereits im Sommer 2015 bei Resonate angemeldet. Die Rekrutierung weiterer Musiker verlief im weiteren Verlauf eher langsam, aber stetig. Dann begann sie, sich zu beschleunigen und stieg im Sommer 2016 erheblich an. Aktuell haben sich 1.495 Musiker*innen registriert und sind Teil von Resonate. Den Künstlern bietet Resonate an, ihre Terms of Trade selbst zu bestimmen. Der Musiker kann entscheiden, ob er beispielsweise damit Einverstanden ist, dass seine Musik an öffentlichen Orten gespielt wird oder eben nicht. Er kann einen Song auch kostenlos anbieten oder eine maximale Anzahl an Streams über Resonate.

Weitere Informationen: www.resonate.is

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