Internetplattformen: digitale Wertschöpfung genossenschaftlich gestalten?

Internetplattformen sind eine technologische Revolution, die die ökonomischen und gesellschaftlichen Funktionen von Produzenten und Konsumenten fundamental verändern. Um diese Veränderungen humaner zu gestalten und damit verbundene Enteignungsprozesse zu verhindern, sind genossenschaftliche Ansätze hervorragend geeignet. Mit ihnen lassen sich solche Innovationen zukunftsfähig organisieren. Zukunftsfähig heißt in diesem Zusammenhang sozial, wirtschaftlich und ökologisch.

Sonja Menzel, Redaktion Genossenschaften

Die Erfinder und Anwender der neuen Plattform-Technologien gründen schnell wachsende und oftmals kapitalstarke Startups. Auf der Grundlage von Software und Daten und den Philosophien einer schönen neuen Welt des Silicon Valleys, bringen sie gänzlich neue Organisationsformen und Geschäftsmodelle hervor. Sie bestimmen dabei eigenständig Regeln des Wettbewerbs. Wer ihnen gegenüber noch Chancen am Markt haben möchte, wird diese Regeln annehmen oder eigenständig sozialer gestalten müssen.

Entgrenzung und Enteignung

Im Kern basieren Plattform-Geschäftsmodelle auf der Organisation von Interaktionen zwischen einer Gruppe von Menschen (Nutzer/innen), die Bedarf an der Inanspruchnahme eines Wertes im Sinne eines Produkts oder auch einer Leistung haben. Diese Leistungen werden durch eine Plattform bereitgestellt bzw. ermöglicht. Gleichzeitig gibt es eine Gruppe von Menschen (Produzent/innen), die die Leistung zur Verfügung stellt oder stellen kann und will. Teilweise werden Leistungen über solche Plattformen angeboten, für die die Anbieter keine monetäre Gegenleistung erhalten. Durch die neue Strukturierung von Märkten gibt es bei solchen Plattformenansätzen oft nur wenige Gewinner und viele Verlierer.

Typische Kennzeichen sind laut Boris Janek:

  • Sie basieren auf Information und Daten und nutzen überwiegend externe Assets
  • Sie verfügen kaum über selbst bezahlte Mitarbeiter
  • Sie lassen andere Wert erstellen und Sie ziehen Wert(e) einseitig ab
  • Sie wachsen exponentiell
  • Sie agieren als Netzwerk statt als Hierarchie, aber mit eindeutiger Zentrale
  • Sie setzen auf Selbstständige außerhalb des Unternehmens

Die Hoffnungen für die Entwicklung eines humanen, gesellschaftszusammenhaltenden Gegenmodells ruhen auf kooperativen oder genossenschaftlichen Ansätzen. Jeremy Rifkin sieht in seinem Buch »die Null Grenzkosten Gesellschaft« Genossenschaften unter den neuen Bedingungen der Null Grenzkosten als besonders zukunftsfähiges, erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Wenn:

  • das Eigentum in der Hand einer Genossenschaft liegt, in der Produzenten und Konsumenten gleichberechtigt und demokratisch organisiert sind;
  • neue Formen der Solidarität als Kern der genossenschaftlichen Idee entwickelt werden, die Ideen der Allmende in die Organisationsstrukturen einbauen;
  • Genossenschaften auf der Selbstfinanzierung durch die Produzenten und Konsumenten beruhen und der technologische Kern bestehender erfolgreicher Plattformen geklont wird bei gleichzeitiger Aktivierung des Datenschutzes und der Reprivatisierung der Daten.


Veranstaltung am 20. Oktober 2017 in Berlin: Genossenschaftlich organisierte Internetplattformen:digitale Wertschöpfung gemeinschaftlich gestalten? Mehr Infos findet ihr hier.

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